Aufzucht

Direkt nach dem Schlupf bleiben die Schildkrötenbabies noch ein paar Tage zur Beobachtung in einem separaten Brutkasten mit grossem Sichtdeckel aus Plexiglas. Dort sind sie in mit Küchenpapier ausgelegten Kunststoffschalen und Kartonversteck untergebracht. Schliesst sich die Nabelregion ordnungsgemäss und fangen die Tiere sebständig an zu fressen und trinken werden sie in Aufzuchtwannen im Innengehege umgesiedelt.

Die Aufzuchtwannen (100x100x25) sind mit einem Gemisch aus lehmiger Gartenerde und Sand ca. 10 cm tief gefüllt. Ein Bereich wird immer leicht feucht gehalten und täglich besprüht. Rindenstücke, Wurzeln, Blumentöpfe und Tonscherben dienen den Kleinen als Unterschlupf- und Versteckmöglichkeit. Saisonal kann in diesen Wannen auch Gras und Wiesenkräuter angesäht werden. Auch ein paar Grasbüschel oder Sukulenten können problemlos miteingebracht werden. Ein Paar zerstossene Sepiastücke, Eierschalen und Muschelgrit gehören noch zur selbständigen Calciumversorgung mit in die Wanne.

Zwei Lucky Reptile Bright Sun Desert Strahler (70 Watt) mit Vorschaltgerät sind in verschiedenen höhen über den Aufzuchtwannen angebracht und sorgen für Licht und Wärme. Wann immer möglich sind die Jungtiere jedoch im Aussengehege in einem abgetrennten Bereich untergebracht und tanken dort wie die adulten Tiere natürliches Sonnenlicht. Das Aussengehege der Babyschildkröten ist zusätzlich noch mit einem Netz überspannt um die Kleinen vor Raubvögeln und Krähen zu schützen. 

Die Schildkrötenbabies zeigen in den ersten Lebensjahren noch ein ausgeprägtes Fluchtverhalten. Es ist anzunehmen, dass sich die kleinen in freier Wildbahn gleich nach dem Schlupf vor Fressfeinden in Sicherheit bringen wollen und Schutz unter Verstecken suchen. Durch ihre Babyzeichnung sind sie hervorragend auf dem Boden und in vertrockneten Pflanzenresten getarnt. Nach etwa einem Jahr sind die ersten Ansätze von der späteren Strahlenzeichnung erkennbar.

Eine erhöhte Luftfeuchtigkeit von 70% bis 80% ist saisonal unerlässlich. Dreimal die Woche erhalten die Babies Wasser in flachen Schalen gereicht oder werden in lauwarmen Wasser vorsichtig gebadet. Der Flüssigkeitsbedarf nimmt mit zunehmendem Alter ab und sollte nach zwei bis drei Jahren auch langsam reduziert werden. Kleine Strahlenschildkröten, die mit permanent zu niedriger Luftfeuchtigkeit aufgezogen werden, neigen trotz sachgemässer Ernährung zu unschöner Höckerbildung.

Die Fütterung erfolgt wie bei den adulten Tiere mit den selben Futtermitteln. Besonders gerne werden Blüten und junge Triebe von Pflanzen gefressen. Das Futter kann bei Schlüpflingen zur mundgerechten Verfütterung auch mal etwas zerzupft oder kleingeschnitten werden. Auch bei der Aufzucht ist eine konsequente Fütterung mit geeigneten Futtermitteln unerlässlich (vgl. Rubrik Futter). Eine falsche Ernährung führt bei Astrochelys radiata ziemlich schnell zu Höckerbildung und in extremen Fällen zu Organschäden.

Es sei an dieser Stelle nochmals dringend darauf hingewiesen, dass es nicht möglich ist, Schlüpflinge von Astrochelys radiata ohne regelmässigen (täglichen) Zugang zu natürlichem Sonnenlicht gesund grosszuziehen. Besonders junge Radiatas beginnen ohne sonnige Freilandhaltung früher oder später vor sich hin zu siechen. Die Haut von sogenannten "Terrarienradiatas" ist meistens sehr hell, blass und wirkt regelrecht ungesund und schwammig. Diese Tiere leiden meistens auch unter einer gestörten Calciumversorgung und weisen schon in jungen Jahren Ansätze von Höckerbildung und Panzerdeformationen auf. Auch natürliche und konstante klimatische Bedingungen sind in abgeschlossenen Glasterrarien nur sehr schwer zu bewerkstelligen. Allgemein kann man sagen, dass Strahlenschildkröten, die sich während Tagen verkriechen und inappetent sind, sich ganz offensichtlich nicht wohlfühlen und irgend etwas mit der Haltungssituation nicht in Ordnung ist. Hier ist dann immer höchster Handlungsbedarf geboten. Tiere unter suboptimalen Haltungsbedingungen neigen auch vermehrt zu Wurmbefall. Vorallem bei Jungtieren sollte der Kot regelmässig auf Wurmbefall untersucht werden. Bei juvenilen Schildkröten, kann ein unbemerkter, unbehandelter und übermässiger Wurmbefall in Kombination mit suboptimaler Haltung und Stress zur völligen Entkräftung führen.