Kontrollierte Wasserabgabe

» Slide: Beim Trinken wird meist der ganze Kopf ins Wasser getaucht.

Als typische Bewohnerin von semiariden Zonen, ist Astrochelys radiata an lange dauernde Trockenzeiten angepasst. Oft fällt in ihrem Habitat die gesamte Niederschlagsmenge eines Jahres in nur kurzer Zeit und der Rest des Jahres bleibt heiss und trocken. Wasser ist dementsprechend ein kostbares Gut und wird von Strahlenschildkröten bei Verfügbarkeit immer gierig aufgenommen.

Astrochelys radiata kann selbst kleinste Wasserpfützen effektiv nutzen, indem sie Wasser auch durch die Nasenlöcher aufsaugen kann. Trinkende Strahlenschildkröten tauchen meist den ganzen Kopf unter Wasser um möglichst viel Flüssigkeit auf einmal aufnehmen zu können. Astrochelys radiata ist in der Lage das aufgenommene Wasser in der Blase zu speichern, so dass die Schildkröten auch längere Zeit ohne Trinkwasser auskommen können. Immer wenn den Tieren wieder ausreichend Frischwasser zur Verfügung steht, wird das gespeicherte Wasser in der Blase ausgeschieden. Je nachdem wie lange eine Schildkröte ohne Wasser ausgekommen ist, ist ihr Urin beim Wasserlassen konzentriert und von dunkler, rotbrauner Färbung.

Obwohl es sicherlich für einige Schildkrötenhalter grausam klingen mag, ist es nicht ratsam Strahlenschildkröten täglich Wasser zur freien Verfügung anzubieten. Durch die physische Anpassung des Organismus an einen extrem trockenen Lebensraum, ist es tatsächlich möglich, dass die Tiere bei permanentem Wasserangebot, dauernd trinken, dabei häufig urinieren und dadurch regelrecht ausgeschwemmt werden. Dabei gehen viele wichtige Vitamine und Mineralien verloren. Durch das unkontrollierte Verfüttern von wasserhaltigen Salaten und Gemüse wird die vermehrte Flüssigkeitaufnahme noch zusätzlich ungünstig gefördert. Strahlenschildkröten, die quasi mit Wasser «überdosiert» wurden, erkennt man gut am permanent klaren Urin und breiigen Stuhlgängen.

Ich biete meinen Tieren deshalb einmal wöchentlich in grossen, flachen Schalen kontrolliert Wasser an. Dabei achte ich ganz genau, dass jedes Tier trinkt und prüfe auch regelmässig die Farbe und das Konzentrat des abgegebenen Urins, sowie die Festikeit des Stuhlgangs. Je nach Beschaffenheit und Aussehen der Ausscheidungen, können die Wasserrationen nach oben oder unten korriegiert werden. Grosse, adulte Strahlenschildkröten können bei einer wöchentlichen angebotenen Trinkration bis zu 1.5 Liter auf einmal aufnehmen.

Bei Störungen, Transporten usw. lassen Strahlenschildkröten meist das in der Blase vorhandene Wasser aus Abwehr und Protest sausen. Es ist wichtig, den Tieren nach einer Manipulation mit Urinverlust, sofort wieder ausreichend Wasser anzubieten. Verstörte oder kranke Tiere können auch vorsichtig in warmen Wasser gebadet werden. Jungtiere von bis zu zwei Jahren haben gegenüber adulten Tieren einen höheren Flüssigkeitsbedarf und sollten saisonal mehrmals wöchentlich Wasser zur Verfügung haben.