Technik

Mein Schildkrötenhaus verfügt über eine partielle Bodenheizung mit der im Winter und bei langanhaltenden Schlechtwetterperioden eine Raumtemperatur von ca. 20°C nachts und 28°C am Tag erzeugt wird. Von der Decke hängen zusätzlich mehere 250 Watt HQI Strahler, sowie an exponierten Stellen einige Lucky Reptile Bright Sun Desert Strahler 70 Watt mit Vorschaltgerät, die lokal für eine Erwährmung um 45°C sorgen. Das Wintergarten ähnlich konstruierte Schildkrötenhaus wird durch Dachfenster einfallende Sonnenstrahlen noch zusätzlich erwärmt. Ab einer Raumtemperatur von 35°C öffnet sich ein Kippfenster um einer Überhitzung vorzubeugen. Der hintere Teil des Schildkrötenhaus, der als Schlafplatz genutz wird, bleibt unbeheizt.

Im Sommer sind meine Strahlenschildkröten bei guter Witterung immer im Aussengehege anzutreffen. Das weitgehend unbeheizte Schildkrötenhaus wird dann nur noch durch einfallende Sonnenstrahlen wie ein Gewächshaus erwärmt und von den Schildkröten gerne nachts und bei Schlechtwetterperioden aufgesucht. 

 

Jahreszeiten

Ich glaube, einer der häufigsten Haltungsfehler bei Astrochelys radiata ist, dass man die Tiere das ganze Jahr über bei relativ konstanten und eher zu hohen Temperaturen hält. Man sollte unbedingt berücksichtigen, dass Astrochelys radiata in ihrem natürlichen Habitat auch Jahreszeiten kennt. Ein madagassischer Sommer ist sehr heiss und wird bei mir währen der Wintermonate im Innenge unter grossem technischem Aufwand nachempfunden. Ein madagassischer Winter entspricht in etwa einem europäischen Sommer jedoch mit deutlich weniger Niederschlag. Saisonal können dann nachts durchaus Temperaturen von weniger als 10°C vorkommen und die Tiere haben nur während des Tages Gelegenheit sich an der Sonne wieder aufzuwärmen. In dieser kühleren Saison verhalten sich die Strahlenschildkröten auch eher inaktiv und kommen nur zum Fressen, Tinken und sich aufwäremen aus den Verstecken. Während des europäischen Sommers ist jedoch penibel darauf zu achten, dass die Tiere keiner zu grossen Bodenfeuchtigkeit ausgesetzt sind. Kalte Witterung in Kombination mit Nässe und Feuchtikeit bedeutet für Strahlenschildkröten den sicheren Erkätltungstod. Eine Ausnahme ist ein warmes Sommergewitter. Dies sollte man tagsüber die Tiere unbedingt erleben lassen.

Vorallem für die Fortpflanzug und die Fruchtbarkeit der Weibchen scheint das anbieten einer kühleren und trockeneren Jahreszeiten bzw. eines saisonalen Temperaturgefälles wichtig zu sein. Ich vermute, dass da einen ähnlichen Zusammenhang besteht, wie bei den europäischen Landschildkröten, die eine Winterstarre benötigen, damit der hormonell bedingte Eireifezyklus in Gang gesetzt wird. Meine persönlichen Beobachtungen scheinen zu bestätigen, dass Weibchen bei ganzjährig ähnlichen Temperaturen trotz Bepaarung keine oder nur wenig Eier legen. Weibchen, die jedoch einen jahreszeitlichen Temperaturzyklus durchleben, haben das ganze Jahr über mehere Gelege. Besonders gut konnte ich dieses Phänomen beobachten, als ich ein adultes Weibchen aus einer eher suboptimalen Temeratur Haltungssituation übernommen hatte. Bis anhin hatte dieses Exemplar, obwohl ersichtlicher Grösse und Geschlechtsreife, noch nie Eier gelegt. Nach einem durchlaufenen Temperatur Jahreszyklus begann das Tier plötzlich Eier zu produzieren. Heute hat dieses Exemplar immer mehere Gelege im Jahr.

 

Temperaturschema

Bei meinen Strahlenschildkröten hat sich im Innengehege folgendes Temperaturschema gut bewährt:

Madagassischer Sommer / Europäischer Winter
Von Oktober bis April Tags über bei 26°C - 32°C (unter den Wärmelampen lokal bis 45°C) und nächtlicher Absenkung auf 20°C. Die Luftfeuchtigkeit liegt dann bei ca. 70-80%

Madagassischer Winter / Europäischer Sommer
Von Mai bis September bleibt das Schildkrötenhaus bei trockener Witterung unbeheizt und wird nur durch natürliche Sonneneinstrahlung erwärmt. Bei lange anhaltenden Schlechtwetterperioden wird Tags über mit Lucky Reptile Bright Sun Desert Strahlern (70 Watt) eine Raumtemperatur von 24°C bis 28°C erzeugt. Nachts sind jedoch Temperaturabsenkungen bis 10°C möglich. Es ist jedoch penibel darauf zu achten, dass die Tiere bei kühleren Nächten nicht auf feuchtem Untergrund liegen! Tagsüber sollten die Tiere wieder Gelegenheit haben sich aufzuwärmen. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei ca. 50-60%.