Qualität und nicht Quantität

Eine ausgewogene Ernährung ist für Strahlenschildkröten in menschlicher Obhut von grosser Bedeutung. Noch mehr als andere Schildkrötenarten neigt Astrochelys radiata bei unsachgemässer Ernährung zu Höckerbildung und Organschäden. Ein sinnvoller Ernährungsplan mit geeigneten Futtermitteln sollte unbedingt und konsequent eingehalten werden. Leider ist mir persönlich wenig über die Fressgewohnheiten und Futterpflanzen von Astrochelys radiata in freier Wildbahn bekannt. Es dürfte auch in unseren Breitengraden schwierig sein ganzjährig natürliche Futterpflanzen aus Madagaskar in genügend grossen Mengen aufzutreiben, bzw. nachhaltig anzubauen.

Der Speiseplan für meine Strahlenschildkröten unterscheidet sich saisonal.

Während der warmen Jahreszeit erhalten meine Tiere hauptsächlich Gras und Wiesenkräuter, die sie entweder selbständig im Aussengehege abweiden oder zugefüttert bekommen. Beides wird auch in getrocknetem Zustand angeboten und steht als Heu täglich zur Verfügung. Das Sammeln von diversen Blüten, Kräuter und Blättern von Frühling bis Herbst sorgt für gesunde Abwechslung auf dem Speiseplan. Ein Teil der Ernte wird für die kalte Jahreszeit getrocknet und eingelagert. Unter der Rubrik Literatur sind zur Inspiration ein paar hervorragende Bücher zur Erkennung und Bestimmung geeigneter Futterpflanzen aufgeführt. Eine Radiatamahlzeit sollte keineswegs nur aus Löwenzahn oder Spitzwegerich bestehen. Ich bemühe mich stehts, ein Menü mit mindestens 5 unterschiedlichen Pflanzensorten zusammenzustellen. Bei Unsicherheit bezüglich Verträglichkeit oder gar Giftigkeit von gefundenen Pflanzen sollten nur mit Sicherheit bestimmte Futterpflanzen verfüttert werden. Auch Gras und Kräuter von gedüngten, «fetten» Wiesen oder anderen ungeeigneten Standorten (neben Strassen oder Deponien) schaden den Tieren und können zu Nieren- und Leberversagen führen.

Im Winter wird hochwertiges Heu, welches in den Sommermonaten selbst produziert wurde täglich verfüttert. Zweimal wöchentlich erhalten die Tiere einen Mix aus getrockneten Kräutern und Blüten. Agrobs ist ebenfalls ein prima Futtermittel und wird 2 mal wöchentlich leicht angefeuchtet gereicht. Einmal pro Woche erhalten meine Tiere eine Ration Endivien- oder Lattichsalat, welche wahlweise noch mit Agrobs Fibre gemischt werden kann. Einmal im Monat darf auch ein Mix aus geraffelten Möhren, Fenchel, Zuchetti und Gurke verfüttert werden. Idealer weise sollten diese Produkte zuvor entsaftet oder in geriebenem Zustand von Hand ausgepresst werden um allzuviel Flüssigkeit zu vermeiden. Im Innengehege gedeihen das ganze Jahr über Futterpflanzen wie Opuntienkakteen, Malven, Hibiskus (Blüten und Blätter), welche je nach Verfügbarkeit als Leckerbissen dazu gefüttert werden.

Calcium steht meinen Tieren täglich in Form von Sepiaschalen, Muschelgrit und Eierschalen zur freien Verfügung. Diese Calciumlieferanten sollten jedoch von den Schildkröten immer selbständig je nach Bedarf aufgenommen und nicht über das Futter gestreut werden. Einmal im Monat biete ich meinen Tieren in einer flachen Schale ein handelsübliches Sittich- oder Kanarienfutter an (Vinke & Vinke 2004 a), welches mit Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen angereichert ist. Die Samen passieren unverdaut den Magendarmtrakt und geben dabei die Zusatzstoffe in geringen Mengen ab. Bei einem abwechslungsreichen und ausgewogenen Futterangebot sollte jedoch ganz auf Vitamin- und Minaralzusätze in Pulverform verzichtet werden.

Saisonal dürfen als Leckerbissen auch mal ein paar Beeren (Brombeeren, Himbeeren, Erdbeeeren usw.) oder eine Kaktusfrucht verfüttert werden. Auf das Verfüttern von weiteren Fruchtsorten sollte jedoch unbedingt ganz verzichtet werden. Vorallem das Verfüttern von angegorenen Früchten kann schon nach einmaligem Genuss tödlich enden (Blähungen). Ausserdem wirkt ein erhöhter Fruchtzuckergehalt abführend. Ausser auf das gelegentliche Verfüttern von den oben erwähnten Gemüsesorten in geraffelter und entwässerter Form, verzichte ich weitgehend auf weitere Sorten. Auch industriell hergestellte Schildkrötenfuttermittel (Pellets usw.) sind tabu. Tierische Produkte sollten ebenfalls nicht verfüttert werden. Gelegentlich verspeisen die Tiere im Aussengehege einen toten Käfer oder eine Schnecke, was absolut ausreichend ist. Astrochelys radiata frisst gelegentlich auch Kot von anderen Tieren (Hunde und Katzen). Dies sollte jedoch aus Kontaminationsgründen mit Krankheiten und Parasiten vermieden werden.

Grundsätzlich sollte eine Diät abwechslungsreich sein und möglichst viel Rohfasern enthalten. Die Ausscheidungen sollten von fester Konsistenz und nicht wässrig sein. Im Kot einer gesunden Strahlenschildkröte sind stehts unverdaute Pflanzenfasern zu erkennen, welche an der Luft rasch austrocknen und nicht stinken. Ein hoher Rohfaseranteil verhindert ausserdem einen übermässigen Befall mit Faden und Spuhlwürmern, so dass ein entwurmen selten notwendig ist.