Habitat von Astrochelys radiata

Um einer Strahlenschildkröte in unseren Breitengraden eine Artgerechte Haltung zu bieten, lohnt es sich zuerst das Habitat dieser Tiere genau zu studieren. Praktisch alle Haltungsparameter, wie z.B. Bodenbeschaffenheit, Vegetation, Klima, usw. lassen sich aus dem natürlichen Lebensraum der Tiere ableiten.

Das Ursprungsgebiet dieser Art ist im Süden und Südwesten Madagaskars zu finden, in Gebieten mit ausgeprägter Trockenzeit und einer durch Dornwald dominierten Vegetation. Ebenso besiedeln Astrochelys radiata Areale mit niedriger aber dichter Vegetation und solche, in denen nach Abholzung und Überweidung vorallem Opuntienkakteen vorherrschen. Allgemein werden die Habitate in denen Astrochely radiata anzutreffen ist unter xerophytischer Wald- und Buschlandschaft zusammengefasst.

Als Xerophyten (aus griech.: xeros "trocken" und phytos "Pflanze") bezeichnet man einen Organisationstyp von Pflanzen, die an extrem trockene Standorte angepasst sind. Genauer gesagt sind es Pflanzen, die an eine regelmäßige bis vollständige Knappheit von flüssigem Wasser angepasst sind. Diese Knappheit kann klimatisch bedingt sein, wie in ariden bis semiariden Klimazonen, wo Wasser generell fehlt oder in arktisch-alpinen Zonen, wo Wasser nicht in flüssiger Form verfügbar ist, die die Pflanzen benötigen. Die Wasserknappheit kann aber auch auf die Beschaffenheit des Bodens zurückzuführen sein wie bei Sandböden (geringes Wasserhaltevermögen), Lehmböden (verdichtetes Material, Wasser fließt oberflächlich ab) oder auch bei Kalkgestein (oft viele Furchen und Risse, Wasser versickert schnell). Die Anpassungsformen an die Knappheit von flüssigem Wasser nennt man Xeromorphien.

Auf den folgenden Bildern sind zwei typische Habitate der Strahlenschildkröte zu sehen. Das Bildmaterial stammt aus dem Nationalpark Tsimanampetsotsa, im Südwesten Madagaskars und wurde mir, mit freundlicher Erlaubnis, von Frau Jutta Hammer zur Verfügung gestellt.    

Trockenwald

 

Charakteristisch für die Landschaft des  laubabwerfenden Trockenwaldes sind Pflanzen aus der Familie Didieraceae, Euphorbia, Aloe und Adansonia. Hier gedeihen neben hochwachsenden Baobab Bäumen auch eine grosse Anzahl an endemischen Sträuchern und Sukkulenten. Sandige Böden wechseln sich mit lichten Graslanschaften ab.

In der heissen Jahreszeit wirkt der Trockenwald abgestorben und grau. Die Schildkröten ernähren sich während dieser Zeit vorallem von Laub und vertrockneten Halmen. Ist die Hitze zu gross oder dauert die Trockenzeit zu lange an, verkriechen sich die Tiere in Verstecke und verharren dort um Resourcen zu sparen. Während der Regenzeit erblüht die Vegetation, für kurze Zeit, in sattem und knackigen Grün. Dann steht den Strahlenschildkröten wieder genügend Frischfutter zur Verfügung.

Kalkplateau

 

Im südlichen Verberitungsgebiet von Astrochelys radiata erstrecken sich Kalkplateaus. Verwittertes Kalksteingeröll maritimen Ursprungs prägt diese schroffe und sehr trockene Landschaft. Obwohl Niederschläge im südlichen Verbreitungsgebiet von Astrochelys radiata noch seltener sind als in den nördlichen Habitaten, hält sich nach einem Gewitterschauer Regenwasser in Form von kleinen Pfützen in Mulden und Furchen des Kalkgesteins. Diese kleinen Wasserreservoire können noch Tage nach Regenfällen von den Schildkröten als Tränke genutzt werden. Auch dieses Habitat wird dominiert von stacheliger Dornbuschvegetation. Das niedrige und dichte Buschwerk dient den Schildkröten sowohl als schattiger Unterschlupf bei grosser Hitze als auch als Futterquelle.